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Corona-Virus (SARS-CoV-2): Wichtige Informationen für Eltern

Liebe Eltern,

manche von Ihnen machen sich wahrscheinlich Sorgen, weil in den letzten Tagen erste Erkrankungsfälle von COVID-19 (das sind Infektionen mit dem Virus SARS-CoV-2) in Österreich aufgetreten sind. Fragen wie „Ist mein Kind gefährdet?“, „Wie gefährlich ist das überhaupt?“, „Was kann ich tun, um eine Ansteckung zu vermeiden?“ tun sich auf. Der Virus ist neu – das bedeutet, dass die ForscherInnen viele Fragen noch nicht genau beantworten können.

Was aber schon zum jetzigen Zeitpunkt mit einiger Wahrscheinlichkeit klar ist:

Die schweren COVID-19-Erkrankungsfälle betreffen fast ausschließlich ältere Menschen oder Menschen mit  bereits bestehenden chronischen Erkrankungen (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck u. ä.). Kinder können sich zwar auch mit SARS-CoV-2 anstecken, aber der Virus befällt offenbar eher ältere Menschen. Zumindest zeigen das die Entwicklungen in China. Dort sind schon sehr viele Menschen erkrankt – darunter waren nur sehr wenige Kinder.
Bitte bedenken Sie folgendes: Die Symptome von  COVID-19 sind ähnlich wie bei der Grippe. Auch die Grippe kann jeden treffen: Lebensgefährlich ist sie in den allermeisten Fällen aber eher für SeniorInnen. Kinder überstehen sie in der Regel gut. 

Von den Krankheitsanzeichen her ist bei COVID-19 mit Husten, Schnupfen, Fieber, Muskelschmerzen und Mattigkeit zu rechnen – also ganz ähnlich wie bei der Grippe. Das heißt aber auch: Wenn ihr Kind hustet, fiebert, schnupft, dann handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen grippalen Infekt oder die echte Grippe – und nicht um COVID-19. Außer: Ihr Kind hatte in den letzten Wochen Kontakt mit einem Menschen, der „gesichert“ an COVID-19 erkrankt ist. Oder Ihr Kind war in den letzten Wochen in einer Gegend, wo COVID-19 weit verbreitet ist. Die aktuelle "Falldefinition" und die Verbreitungsgebiete finden Sie auf der Website der öst. Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES: https://www.ages.at/themen/krankheitserreger/coronavirus/

Ganz wichtig: Wenn Sie tatsächlich Grund zur Annahme haben, dass ihr Kind an COVID-19 erkrankt ist, gehen sie bitte NICHT zur Ärztin/zum Arzt, SONDERN RUFEN SIE BITTE ZUERST IN DER ORDINATION AN. Ihre Ärztin/ihr Arzt wird am Telefon abklären, ob wirklich COVID-19-Verdacht besteht und – falls ja – Ihnen erklären, was nun zu tun ist. Bleiben Sie mit Ihrem Kind also zuhause. Rufen Sie für allgemeine Fragen die AGES-Infoline Coronavirus unter 0800 555 621 und zum konkreten Verhalten das Gesundheitstelefon 1450 an. Dort wird man Ihnen sagen, was zu tun ist.

Warum ist das wichtig? Die Gesundheitsbehörden in Europa versuchen, die rasche und dauerhafte Ausbreitung zu verhindern. Das kann noch gelingen, wenn wir alle uns vernünftig verhalten. Das bedeutet: Menschen, die sich angesteckt haben, müssen ganz rasch von allen anderen abgesondert werden. Diese Absonderung schützt also alle anderen Menschen vor der Ansteckung. Wenn nun ein COVID-19-krankes Kind „ganz einfach in eine Ordination spaziert“, müsste die Ordination geschlossen werden; und alle, die im Warteraum waren sowie das Ordinationspersonal müssten auch sicherheitshalber von anderen Menschen abgesondert werden.

Falls bei Ihrem Kind ein begründeter Verdacht auf COVID-19 besteht oder bereits bestätigt wurde: Bitte informieren Sie jedenfalls auch die Schule (inkl. Hort, Tagesstätte) darüber, melden Sie Ihr Kind nicht "einfach krank". Mehr dazu bei der Bildungsdirektion Steiermark  sowie in den Elternbriefen des Bundesministerium Bildung, Wissenschaft und Forschung auf Deutsch, Albanisch, Arabisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch, Dari/Farsi, Englisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Türkisch, Ungarisch.

Gibt es eine Behandlung gegen COVID-19? Derzeit gibt es noch keine Behandlung, die an der Ursache (beim Krankheitserreger SARS-CoV-2) ansetzt. Das gilt für die meisten Infektionen mit Viren – man kann gegen die Ursache nichts machen. Aber: Man kann die Symptome behandeln – genau wie zum Beispiel bei der Grippe auch.

Was können Sie vorbeugend tun? SARS-CoV-2 verbreitet sich (wie die Grippe auch) über Tröpfcheninfektion. Das heißt: Beim Husten, nießen, spucken wird der Erreger ausgestoßen und gelangt dann oft auch über die Hände zum nächsten Menschen.

Die wichtigsten Grundregeln, sich nicht anzustecken, lauten also (wie auch bei der Grippe):

  • Hände häufig und ausgiebig waschen (mit Wasser und Seife, mindestens 20 Sekunden lang). Wenn man unterwegs ist und sich die Hände nicht waschen kann, ist ein Hand-Desinfektionsmittel eine gute Lösung.
  • So wenig Kontakt wie möglich mit Kranken.
  • Wenn möglich 2 Meter Abstand zu hustenden, nießenden Menschen halten – und selbst nicht in die Hand nießen oder husten, sondern in ein Taschentuch, das dann umgehend in den Müll gehört. Ist kein Taschentuch zur Hand, drehen Sie sich von anderen Menschen weg und nießen/husten in den Oberarm – das ist besser als „frei durch die Gegend“.

Diese Grundregeln können auch kleine Kinder bereits lernen – und sich und andere damit vor Ansteckung schützen. Gesichtsmasken zu tragen wird in Österreich nur für ausgesetzte Personen (v.a. in Gesundheitsberufen) angeraten.

Lassen Sie sich bitte von der teilweise „extremen“ Medienberichterstattung nicht verrückt machen: Besser besonnen bleiben, mit Hausverstand  handeln und der Ärztin/dem Arzt Ihres Vertrauens auch in der jetzigen Situation vertrauen.

Graz, am 27.2.2020

Dr. Michael Adomeit Doz. Dr. Hans-Jürgen Dornbusch
Obmann der Wissenschaftlichen
Akademie f. Vorsorgemedizin
Obmann der Fachgruppe
für Kinder- und Jugendheilkunde Steiermark
   

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