11_Fotolia_83041487_Sub

Vor Epidemien schützen

Infektionskrankheiten gefährden den einzelnen betroffenen Menschen ebenso wie seine Umgebung. Denn ein erkrankter Mensch kann die Krankheit auch auf andere Menschen übertragen. Aber nicht jeder Infizierte erkrankt auch. Diese „Attacke-Rate“ (Kontagionsindex = Anteil der Infizierten, die tatsächlich erkranken) ist ein wichtiges Maß für die Bewertung von Impfungen. Sie ist z. B. bei Schafblattern (Varizellen) oder Masern erfahrungsgemäß sehr hoch.

Hygiene und ausgewogene Ernährung helfen Infektionen zu vermeiden. Der einzig sichere Schutz ist aber Immunität. Sie wird am besten durch Impfung oder nach durchgemachter Erkrankung erreicht. Aber Vorsicht: Nicht in jedem Fall führt das Durchmachen der Erkrankung zur Immunität! (z. B. Keuchhusten, Tetanus)

Sehr gefährlich ist die Einschleppung einer Infektionskrankheit in eine mangelhaft oder gar nicht geimpfte Bevölkerungsgruppe. Hier droht bei relativ leichter Übertragbarkeit und hoher Ansteckungsfähigkeit der Ausbruch einer Epidemie. Bei Durchfallerkrankungen oder Hepatitis A ist mit entsprechender Toiletten- und Händehygiene viel zu erreichen. Die Erreger können nicht mehr so leicht durch „Schmierinfektion“ (Übertragung über verunreinigte Gegenstände, z. B. Exkremente > Hand > Mund) übertragen werden.

Bei einer Tröpfchen-Infektion wird der Erreger über die Atemluft übertragen. Sie tritt auf z. B. bei Masern, Keuchhusten, Windpocken, Pneumokokken oder Grippe. Bei dieser Übertragungsweise und jener durch direkten Kontakt dürfen erkrankte Kinder natürlich nicht zur Schule oder in den Kindergarten. So wird eine Ausbreitung verhindert. Manchmal (z. B. bei der Meningokokken-Meningitis) werden Antibiotika zur Vorbeugung an die engen Kontaktpersonen verabreicht. Dies gilt vor allem bei Krankheitserregern, die extrem schnell schwerste Schäden verursachen können (so vergehen bei einer Meningokokken-Infektion manchmal nur wenige Stunden vom ersten „Krankheitsgefühl“ bis zur intensivmedizinischen Betreuung).

Wenn die Inkubationszeit etwas länger dauert, können auch sogenannte „Umgebungs- oder Riegelungsimpfungen“ die Weiterausbreitung stoppen. Dabei werden z. B. alle Kontaktpersonen eines erkrankten Kindes vorsorglich geimpft (Familie, Schulklasse usw.). Bei hochinfektiösen, lebensbedrohlichen Erkrankungen ist eine strenge Krankenhausisolierung Vorschrift (siehe auch: Gruppenschutz & Individualschutz).

In der Geschichte der Menschheit war die Bekämpfung von Seuchen durch Infektionskrankheiten seit jeher ein wichtiges Thema. Immer wieder wurden ganze Landstriche von Seuchen wie Lepra, Pest, Cholera oder Pocken heimgesucht. Millionen Menschen ließen ihr Leben, weil es kein Mittel dagegen gab. Erst im 19. Jahrhundert gelang dies durch bedeutende wissenschaftliche Entdeckungen: z. B. der Zusammenhang zwischen Infektionskrankheiten und bakteriellen Erregern (Louis Pasteur) oder die bahnbrechende Entdeckung des Penicillins (Sir Alexander Fleming). Forschungsarbeiten von Edward Jenner, Robert Koch, Paul Ehrlich u. a. haben schließlich zur Einführung von Impfungen geführt.

Ein weiterer wichtiger Fortschritt in der Seuchenbekämpfung war die Verbesserung der hygienischen Bedingungen. Sie betraf sowohl die Medizin – z. B. Entwicklung von Desinfektionsmitteln, Asepsis bei der Geburtshilfe (P. Semmelweis) – als auch das tägliche Leben (verbesserte Trink- und Abwasserversorgung, Nahrungsmittelhygiene).

Aber auch im 21. Jahrhundert ist die Bekämpfung und Kontrolle von Epidemien eine der wichtigsten Aufgaben der Gesundheitsbehörden. Denn immer wieder kommen neue Bedrohungen wie z. B. SARS ( „Vogelgrippe“), Legionellen, AIDS, Ebola usw. auf uns zu, gegen die z. T. erst wirksame Schutzmaßnahmen entwickelt werden müssen.

Gezielte Hygiene bietet v. a. bei Krankheiten einen gewissen Schutz, deren Erreger durch Schmier- oder Kontaktinfektion übertragen werden. Einen sicheren Schutz gegen die zahlreichen Infektionskrankheiten, die auf anderem Wege übertragen werden, bietet aber nur zeitgerechtes Impfen.

Schutz vor Epidemien in Zahlen

MeaslesSB2008Masernepidemie in Salzburg 2008: Die Grafik zeigt die Verteilung der Fälle nach Alter und Geschlecht.
(Quelle: Schmid D., Holzmann H., Abele S., et al. An ongoing multi-state outbreak of measles linked to non-immune anthroposophic communities in Austria, Germany, and Norway, March-April 2008; http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=18838)

siehe auch: Measles outbreak in Styria, Austria, March-May 2009

news